In den Blue Mountains

7 05 2010

Direkt nach unserem Sydney-Aufenthalt haben wir uns auf den Weg in die Blue Mountains (Blaue Berge – weil sie immer von Eukalyptus-Nebel eingehüllt sind, der sie blau aussehen lässt) gemacht. Bereits in Deutschland habe ich in einem Reiseforum von „dem tollsten Backpacker Hostel“ in Australien gelesen, dem Flying Fox Backpacker Hostel. Dort wollten wir unsere erste Hostel-Erfahrung machen. Gar nicht mal so billig, so ein Hostel. 79 AUS $ für ein Doppelzimmer. Im Schlafsaal mit null Privatsphäre kommt man auch nicht viel billiger weg und diese Preise sind normal. Da fragt man sich, wo die Logik ist, wenn viele Backpacker sagen, dass sie nicht genug Geld für ein Auto haben, aber mehrere Monate in Hostels verbringen… Sagen wir mal 25$ pro Nacht pro Person für 30 Tage, das sind 750$! Und dann hat nur eine Person ein Dach über dem Kopf und ist nicht mobil… Naja. Darum haben wir also die Zeit dort genossen und Bekanntschaften geknüpft und haben uns nicht so sehr über die dreckige Küche und so geärgert, schliesslich war das Luxus. 😉 Und es war auch an sonsten wirklich recht gemütlich und nett gemacht. Viele Leute waren dort auch Dauergäste (mehere Wochen bis Monate, haben die sonst nix vor??) und kannten sich schon gut…

Und dann haben wir natürlich die Three Sisters (Drei Schwestern – Felsformation siehe unten), die Janolan Caves (Tropfsteinhöhlen) und das Edge, ein Kino, in dem seit 15 Jahren der gleiche Naturfilm gezeigt wird, besucht.

Am letzten Tag, der auch der einzige sonnige unseres Aufenthalts war, haben wir die Wanderung mit den Giant Stairways (gigantische Treppe) zum Fuss der Three Sisters und um sie herum gewagt. Normalerweise sind wir von den Australiern gewöhnt, dass sie immer etwas übertreiben. Alles ist das grösste, tollste, einzigartigste, giant, awsome, breathtaking… Diesmal waren die Treppen tatsächlich gigantisch, es wurde nicht zuviel versprochen! Selbst der Kölner Dom hat weniger Stufen,sie wollten hier einfach kein Ende nehmen. Irgendwann, als die Beine schon längst gezittert haben, kam man dann doch unten an – und wurde sich bewusst, dass man den ganzen Weg auch wieder hoch musste… Aber wir haben es geschafft. Und manchmal ist man wirklich erstaunt, was der Körper wegsteckt: Wir hatten kein bisschen Muskelkarter…

 Genug geschrieben, hier die Bilder:

  



Hallo Welt!

15 04 2010

Ja, wir leben noch! Und es geht uns den Umständen entsprechend gut! Heute schreiben wir das erste Mal von unserem eigenen neuen „Eee PC“ (ein kleiner Laptop) aus; wir sitzen gerade bei unserem besten Freund Roland Mc Donald’s 😉 (Weil es da kostenlosen Internetzugang gibt). Es funktioniert also alles.

Es ist schon faszinierend, dass wir vor fünft Tagen einen Laptop beim australischen eBay bestellt haben, der Kauf per PayPal über mein deutsches Konto abgewickelt wurde und vier Tage später das richtige Paket in irgendeinem Caravan Park im australischen Hinterland angekommen ist. Wunderbar!

„Den Umständen entsprechend“ bedeutet: Uns tut alles weh, aber wir haben Arbeit und sind darüber sehr froh! Wir rupfen den ganzen Tag Unkraut („weeding“) auf einer Salatfarm. Wir dachten nicht, dass es sowas überhaupt gibt: Unkraut zupfen (ausschliesslich!) für umgerechnet mehr als 10,- Euro die Stunde. Um 6:00 Uhr morgens geht’s los, dafür ist man aber auch um 14:00 Uhr fertig. Da es allerdings um 18:00 Uhr schonwieder dunkel ist, hält sich die Freizeit in Grenzen…doch wir sind ja nicht zum Vergnügen hier! (Mitleidsbekundungen können gerne in Form von Kommentaren, E-Mails oder Facebook-Nachrichten abgegeben werden;))

Demnächst mehr von uns. Es ist 19:49 Uhr Ortszeit, höchste Zeit zum Schlafengehen!

Viele Grüsse,
Marcus und Lisa



Autogramme nach dem Gottesdienst

30 03 2010

Morgens halb zehn in Australien: So etwas haben wir noch nie erlebt! Bereits 15 Minuten vor Beginn der Bibelgespraechskreise (!!!) war der Parkplatz der groessten Adventgemeinde in Sydney ueberfuellt. Also sind wir ins Parkhaus vom STA-Krankenhaus nebenan (dazu mussten wir dann noch unser Surfboard auf dem Dach abbauen, naja). Dann wollten wir in den Gemeindesaal, voll! Seit ueber einer Stunde! Uns wurde aber versprochen, dass es eine Live-Uebertragung in ein nahegelegenes Community-Centre gibt. Also haben wir uns  auf den Weg gemacht und tatsaechlich noch einen Platz gefunden, die Halle war erst halb voll. Da das Bibelgespraech vom Podium, per Video uebertragen, nicht wirklich viele Leute interessiert hat, sassen wir da erstmal eine knappe Stunde, hin- und hergerissen zwischen Zuhoeren, selber reden und doch noch zu versuchen, einen Platz im Gemeindesaal zu finden. Naja, wir sind da geblieben, haben unseren Platz verteidigt und darauf gehofft, dass es in der zweiten Stunde ruhiger wuerde.

So war es dann auch: Sobald Ben Carson im Bild war (wir sassen ja nun vor einer Leinwand), war es ruhig. Nach einer laengeren Vorstellung, in denen von Ben Carsons 50 Ehrendoktortiteln (!), seiner Professur, seinen bahnbrechenden Operationen und seinem Australienaufenthalt in Perth berichtet wurde, ging dann endlich das „Event“ los, auf das alle gewartet hatten: Die Predigt vom Neurochirurgen Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. (…) Benjamin Carson. Man muss dazu sagen, dass er fuer die Vorstellung seiner Person nicht wirklich etwas kann, er zweifelsfrei ein erfolgreicher Mann ist und durchaus sehr sehr sympathisch spricht und „rueberkommt“.

Die Predigt startete mit einem Bericht, wie er per Flugzeug nach Australien gekommen ist. Das war schonmal eine laengere lustige Geschichte. Danach ging es weiter mit Geschichten aus seinem Leben, die er als geuebter Redner humorvoll und doch voller Aussagekraft praesentierte. Insgesamt war es eine inspirierende und motivierende Zeit. Die Botschaft: Gott hat in jeden Menschen Potential gelegt, dass es zu entdecken gilt! Er selbst hat es aus dem Ghetto zum Dr. Dr. Dr. (…) geschafft. Und gleichzeitig gibt er sich groesste Muehe, nicht sich selbst, sondern Gott zu ruehmen, u.a. durch einen Film, der vor garnicht langer Zeit ueber ihn gedreht wurde. Man muss ja nicht gleich Prof. Dr. Dr. werden, doch etwas aus seinem Leben machen, Gott dem Schoepfer vertrauen und nicht nach Entschuldigungen suchen, wenn etwas nicht so gut klappt – das sind Dinge, die wohl jeder auf seine Art umsetzten kann. Wie gesagt, es war sehr motivierend!

Wer mehr ueber Ben Caron wissen moechte, kann gerne seine Buecher lesen oder zumindest in den Wikipedia-Eintrag  schauen 😉


Wie ihr auf den Bildern erkennen koennt, gab es nach dem Gottesdienst nicht nur Applaus, sondern auch Autogramme, Fotos und eine ziemlich lange Schlange. Wir haben uns „nur“ fuer die Fotos entschieden 😉 Das war ein Gottesdienst…

Marcus



„Wart ihr schon in Syd?“

28 03 2010

„Wart ihr schon in Syd?“ „Nee!“, mussten wir bisher immer sagen. (Das Copyright an diesem Gag liegt uebrigens bei meinem Cousin ;)) Jetzt haben wir uns die heimliche Hauptstadt Australiens aber endlich angeschaut, ziemlich genau zwei Wochen lang. Heute geht es weiter Richtung Westen, fuer drei Tage in die Blue Mountains, danach steht das Avondale College und Umgebung weiter im Norden auf dem Programm.

Aber zunaechst ein kleiner Rueckblick auf unsere letzten zwei Wochen sowie ein Einblick in das Panorama Sydneys:

 

In Sydney haben wir das erste mal gewwooft. WWOOF steht fuer „Willing Workers on Organic Farms“. Das Prinzip: Man arbeitet jeden Tag 4-6 Stunden und kann dafuer bei den Gastgebern kostenlos wohnen und essen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wie man in Sydney auf einem oekologischen Bauerhof arbeiten kann… Naja, wir waren bei einer Familie mit grossem, „natuerlichen“ Garten, das passt gerade noch ins WWOOF-Konzept. Meistens haben wir einen ganzen Tag gearbeitet und konnten dafuer auch einen ganzen Tag Sightseeing betreiben. Arbeiten hiess hier meistens Unkraut zupfen…acht Stunden am Stueck ist das schon eine Herausforderung. Aber ab und zu konnten wir auch Baenke und Tische streichen, Blumen pflanzen, Wege fegen, etc. – einen Tag hat Lisa auch gebuegelt. In einer knappen Stunde war man dann vom vorort aus mit dem Auto oder dem Bus in der Stadt oder am Strand. Guenstiger kann man Sydney wahrscheinlich nicht wohnen.

Was uns nicht so gut gefallen hat: Der bewusst natuerlich gehaltene Garten, der selbst nach Unkraut zupfen (zum Teil „ausreissen“) und Aufraeumen immer noch nicht schoen war, die nicht besonders hygienisch gehaltene Kueche und dass das Abendessen meist erst zwischen 19:00 und 21:00 Uhr auf den Tisch kam. Naja…wie gesagt, es war guenstig, wir durften hier alles benutzen (inkl. Kaffeemaschine und Internet) und wir werden auf jeden Fall noch eine zweite WWOOF-Station ausprobieren.

Zur Stadt: Sydney ist die groesste Stadt Australiens, gefolgt von Melbourne, wo wir uns nun schon eine Weile aufgehalten hatten. Doch in Sydney ist tatsaechlich alles noch groesser, noch schneller, noch hektischer, noch mehr Verkehr, etc. (Mit dem Auto kommt daher allerdings langsamer als in Melbourne vorwaerts…) Es gibt auch mehr touristische Attraktionen zu besichtigen, die wahrscheinlich bekanntesten koennt ihr ja auf den Fotos sehen. In der Stadt wimmelt es nur so vor Anzugtraegern, die gerade auf dem Weg zur Arbeit sind (mit Auto, Bus, per Pedes oder Taxi), von der Arbeit kommen oder in der Mittagspause etwas zu Essen suchen. Selbst zu Fuss kommt man langsam vorwaerts, weil man an jeder Ampelkreuzung mehrere Minuten warten muss – und nicht immer kann man ueber Rot gehen, wie es  viele Einheimische tun. Zweimal haben wir uns auch mit dem eigenen Auto in die Stadt gewagt…das ist eine spannende Angelegenheit und danach ist man reif fuer eine laengere Erholungsphase.

Sydney ist schon faszinierend, mit ihren ganzen Hochhaeusern, dem Hafen und vielen anderen schoenen Fleckchen. Eine kleine Hafenrundfahrt, wie sie einem von jedem Reisefuehrer empfolen wird, haben wir per Faehre natuerlich auch gemacht – wirklich sehr schoen! Ansonsten ist festzuhalten: Die Oper sieht von Weitem schoener und eindrucksvoller aus als aus der Naehe und die Harbour Bridge lohnt sich vor allem als Aussichtspunkt ueber den Hafen und die City.

So…gleich heisst es noch etwas „Garten verschoenern“, Auto packen und in die Blue Mountains aufbrechen. Aus Sydney gruessen wir natuerlich besonders: Markus in Herne – wir sind auf deine Kommentare gespannt 😉

Bis demnaechst,
Marcus

PS: Zum Thema Kirchen und Gemeinden, die wir an den beiden Wochenenden in Sydney besucht haben, schreiben wir bald noch ein paar Extrazeilen…



In der Hauptstadt

28 03 2010

Canberra (Betonung auf der ersten Silbe), die Hauptstadt Australiens, wird vom gemeinen Australier im Westentlichen belaechelt. „Da ist doch nix!“ „Sehr unspektakulaer… Braucht ihr eigentlich gar nicht hin!“ „Also wir bleiben hoestens 2 Tage da, wenn wir mal hinfahren.“ Der Grund: Die Stadt ist keine „natuerliche“ Hauptstadt, sondern wurde vor knapp 100 Jahren gegruendet, geplant und besiedelt um Hauptstadt zu sein, da man sich nicht auf Melbourne oder Sydney einigen konnte.

Und so sieht es da auch aus. 😉 Die Stadt ist auf dem Reissbrett entstanden, jeder Strassenverlauf ist geplant. Dementsprechend haben wir uns erst einmal gar nicht zurecht gefunden. Staendig verfahren, die Verkehrsfuehrung nicht verstanden… Sehr anstrengend! Und dann.. sieht man eigentlich nur Gruen und hin und wieder ein wichtig aussehendes Gebaeude, allerdings sehr vereinzelt. Ok, ich uebertreibe. Trotzdem ist die Stadt sehr ueberschaubar und wirkt recht laendlich mit ihren vielen Gruenflaechen und gerade einmal 340.800 Bewohnern (weniger als Bochum!). Bei einem Abenspaziergang war im Zentrum der Stadt im Viertel mit den Restaurants und Cafes um 10 Uhr alles verschlossen! „Schlimmer als in Herne!“ dachten wir uns…

Wir haben die Stadt aber dann doch schaetzen gelernt! Auf der Hitliste ganz oben stand natuerlich die National Library mit dem kostenlosen unbegrenzten Internetzugang, dicht gefolgt von den vielen staatlichen Einrichtungen wie Old Parliament House, Parliament House, Demokratie-Ausstellung, National Portrait Gallery, High Court, War Memorial uvm, die man kostenlos besichtigen konnte, teilweise mit kostenlosen Fuehrungen, auf jeden Fall immer mit sehr gutem Infomaterial und -personal ausgestattet. Herausragend spannend war der Besuch einer Sitzung des Repraesentantenhaus. Ich bin kein Politikexperte, aber ich wuerde es als aehnlich zum Bundestag beschreiben. Nur, dass es (wie fast alles in Australien) sehr viel lebhafter und informeller zuging. Wirklich sehr interessant! Der „Mr. Speaker“ (vielleicht aehnlich wie der Bundestagspraesident) musste immer zur „Order!“ aufrufen. Und einen, der einen ganz ungezogenen Kommentar gemacht hat, hat er rausgeschmissen. Der musste wirklich gehen. Das ganze erinnerte eher an eine Schulklasse am letzten Tag vor den Sommerferien. 😉 Insbesondere die Opposition schreit staendig irgendwelche Beleidigungen zur Regierungsseite herueber. Alle wild durcheinander und ganz laut. Auf der anderen Seite gibt es einige Formalia, die es so glaube ich bei uns gar nicht gibt. Beispielsweise muss sich jeder der Abgeordneten und der „Saalordner“ mit einem Kopfnicken vom „Mr. Speaker“ verabschieden, wenn er den Saal verlaesst.

Sonst ist noch nennenswert, dass wir die Heckscheibe unseres Pajero in einer Nacht eingetreten haben. Wir wissen nicht, wer von uns beiden es war, wir wissen auch nicht, wann oder wie es genau passiert ist. Ich fand nur am Morgen, dass die Scheibe so weich war, als ob sie nachgeben wuerde. Wir haben von Innen eine Folie gegen die Hitze angebracht, sodass Marcus dann irgendwann ausgestiegen ist, um zu sehen, dass die Scheibe noch drin war aber in 1000… Teilen. Natuerlich ist uns das Ganze in einer Nacht auf einen Feiertag passiert, sodass wir noch einen weiteren Tag damit herumfahren mussten. Da wir uns nicht getraut haben, darin noch einmal zu schlafen, haben wir uns wohl oder uebel ein billiges (fuer uns aber immer noch teures) Hotelzimmer geleistet. Naja. Jetzt ist alles wieder gut. Aufgrund dieser Umstaende und anderer Widrigkeiten sind wir alles in allem doch ueber eine Woche in der Stadt geblieben, die ja eigentlich nichts zu bieten hat. 😉

Wie meistens am Ende noch ein paar Impressionen… 

 

Lisa