Hallo Welt!

20 06 2010

Jaja, ich vertehe die Message, die aus den Kommentaren spricht! Wir hinken mit unserem Internettagebuch ganz schön hinterher und ihr möchtet etwas aktuelleres lesen. Andererseits haben wir Christen doch das ganze Jahr Grund, Ostern zu feiern!?! 🙂 Trotzdem habt ihr Recht. Hier also eine thematische Zusammenfassung der letzten Wochen.

Die Arbeit
Nach Ostern haben wir uns (nachdem wir schon wochenlang intensiv im Internet und über verschiedene Hotlines nach Arbeit gesucht, überall aber nur Absagen bekommen hatten) direkt aufgemacht in ein Zentrum des Obst- und Gemüseanbaus: die Kleinstadt Stanthorpe in Queensland. Obwohl wir an der „National Harvest Hotline“ (nationale Erntehotline) davon abgeraten bekamen, weil dort zu viele Backpacker seien, sind wir auf gut Glück hingefahren. Dort gibt es ein sehr gutes Arbeitsvermittlungsbüro, das die gesamte Farmarbeit der Stadt koordiniert. Hier meldeten wir uns an, wurden aber direkt wieder entmutigt: derzeit werde nicht gesucht und die Saison sei sowieso fast vorbei. Hm. Wir checkten ganz Niedergeschlagen auf einem Campingplatz ein und schlugen unser Lager auf, als wir plötzlich eine SMS bekamen: Bitte meldet euch so schnell wie möglich im Arbeitsvermittlungsbüro. Den Job auf einer Salatfarm nahmen wir sofort euphorisch an. In den nächsten Tagen stellte sich heraus, dass wir tatsächlich 8 Stunden am Tag nur Unkraut ausreissen sollten. Teilweise vor den Traktoren im mörderischen Tempo und unter den Augen der Vorgesetzten, Nachmittags eher im Sitzen zwischen den Salatreihen und in gemächlichem aber gründlichen Tempo. Da hat man Momente, in denen man sich vornimmt, sich nie wieder über eine Arbeit in Deutschland zu beschweren! Verstärkt wurde dieser Eindruck, als wir nach den ersten zwei Arbeitstagen kaum laufen konnten vor Schmerzen in jeder einzelnen Faser des Körpers. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ALLES wehgetan hat. Liegen, sitzen, stehen, gehen. Da es nur Muskelkater war, war es eigentlich guter Schmerz! 😉
Nach knapp 3 Wochen, als es dann nachts auch auf die null Grad zuging, beschlossen wir, dass es Zeit war, weiter zu reisen. Mittlerweile sind auch die Schmerzen in den Knien wieder vollkommen weg. 🙂

Ein anderes Mal habe ich einen ganzen Vormittag lang eine Farm nach der anderen angerufen und durch absoluten Zufall einen Job auf einer Maracuja-Farm bekommen. Anfangs nur für eine Person, ab dem 2. Tag aber auch für Marcus. Leider waren wir dort immer schon nach 3-4 Stunden fertig mit der Ernte. Passionsfrüchte werden übrigens nur geerntet, wenn sie bereits auf den Boden gefallen sind. In Australien bekommt man sie als frische Früchte in jedem Supermarkt zu kaufen. Sie sehen einer Kiwi von der Form und Farbe her ähnlich, haben aber eine harte Schale. Sie haben nur wenig Fruchtfleisch um die Kerne, ähnlich wie bei Granatäpfeln, wobei die Kerne aber so gross sind wie in einer Wassermelone. Der Job ging sehr ins Kreuz, aber auch nur wegen der Muskelbelastung, war also nicht schlimm von den Nachwirkungen her. Da wir hier mit den wenigen Wochenstunden halsoviel verdient haben wie auf der Salatfarm, sind wir nach einer Woche weitergezogen.

Seit dem sind wir auf der Suche nach Arbeit. Derzeit ist Winter in Australien, aber im tropischen Norden ist es sehr angenehm! In Cairns z.B. ist es tagsüber schwüle 25 Grad, nachts kühlt es nur auf 20 Grad herunter. Gerade wenn man campt, wie die meisten Backpacker, ist das sehr wichtig. Im Süden, zum Beispiel in Melbourne, ist es gerade wie in unserem Herbst: Recht nass und tagsüber gerade mal 15 Grad. Nicht so schön. Also sind die ganzen Backpacker an der nördlichen Ostküste. Alle suchen nach Arbeit. In den Touristeninformationen, in Backpackerhostels, auf den günstigen Caravanplätzen, auf den Farmen… überall reagiert man auf die Frage nach Arbeit völlig genervt: Hier kommen täglich 20 Backpacker vorbei auf der Suche nach Arbeit, aber wir brauchen niemanden mehr! In einigen Hostels und Campingplätzen (die Farmer rufen dort immer an, wenn sie neue Arbeiter brauchen) hat man uns noch nicht mal auf eine Warteliste geschrieben, geschweige denn einen Platz zum Übernachten gegeben. Es ist einfach ÜBER VOLL! Eine Dame sagte, in diesem Jahr kämen doppelt so viele Backpacker vorbei als im letzten. Wenn dann noch rauskommt, dass wir Deutsche sind kommt nur ein enttäuschtes: Hier sind so viele Deutsche…

Dementsprechend gerne sind wir also gesehen. Wir ziehen unsere Lehre und reisen weiter. Trotzdem stirbt die Hoffnung (in unserem Fall auf Arbeit) zuletzt und wir kratzen immer wieder unseren Optimismus zusammen, fragen wieder nach Arbeit, nur um immer wieder die gleiche niederschmetternde Antwort zu bekommen. Hm. Aber irgendwann muss es doch klappen?! Wir geben nicht auf! Vielleicht sind im Süden um Adelaide nicht so viele Backpacker…

Die Landschaft
Nun zu etwas schönem! Je weiter wir in den Norden reisen, desto tropischer wird das Klima und die Pflanzenwelt, was wir sehr schön finden! Bis vor kurzem war hier noch eine 4-monatige Regenzeit und alles ist herrlich grün. Im tropischen Klima blühen die Pflanzen auch das ganze Jahr über. Es gibt viiiieeele Palmen (herrlich!) und viele verschiedene Farne. Und es gibt viele alte grosse und dicke Bäume. Viele, die wir in Europa natürlich nicht haben. Ich mache immer „grüne Fotos“ wie ich sie nenne, ganz zu Marcus Leidwesen, weil es schon so viele sind. Ich möchte für unsere Wohnung die schönsten Blätter- und Pflanzenbilder aussuchen und eine kleine Galerie machen.

Natürlich sind wir auch am Great Barrier Reef vorbei gekommen. Der „Marine National Park“, der für seinen Schutz eingerichtet wurde, hat die Grösse der Bundesrepublik! Wir haben am südlichsten Ende einen Schnorchelausflug gemacht. Das war sicherlich ein Highlight unserer Reise! Obwohl ich eigentlich eine gewisse Angst vor natürlichen Gewässern habe und nicht gerne schwimmen gehe, war es hier in Ordnung für mich und ich konnte die wunderschönen Fische geniessen! Es war so, als würde man in einem riesigen, wunderschönen Aquarium schwimmen. Das Wasser war angenehme 20 Grad warm, man bekam einen Neoprenanzug und Schnorchelausrüstung inklusive Schwimmflossen. Marcus war ganz glücklich, dass er sogar eine Schildkröte entdeckt hat. In unserem Ausflug war ausserdem eine Führung über die nahegelegene Insel Lady Musgrave Island enthalten. Ich finde die Geschichte zu ihrer Namensgeberin so schön: Lady Musgrave lebte im 18. Jahrhundert und war eine Dame aus höheren Kreisen, die gerne zu Tee-Veranstaltungen eingelud. Da die Menschen weit auseinander lebten und die Reisen lang und beschwerlich waren, dauerten diese „Tees“ mehrere Tage. In diesen Tagen lebten also viele Leute auf einem Anwesen. Man trank viel Tee und tauschte Neuigkeiten aus, die Männer spielten Cricket oder andere Sportarten und Abends wurde am Klavier gemeinsam musiziert. Ist das nicht romantisch? *seufz* Und dabei hatten die Frauen wunderschöne aufwendige Kleider und die Männer waren noch echte Gentlemen. 😉 Und man ass von Blumentellern mit Goldrand und mit Siberbesteck. Herrlich! Ok, ich lasse gewisse Unannehmlichkeiten dieser Zeit weg, ich gebe es zu. Ich schweife auch vom Thema ab…  Diese Lady Musgrave war natürlich nie selbst auf dieser Insel, aber sie wurde zu ihren Ehren nach ihr benannt.
Diese Insel besteht aus abgestorbenen Korallenschichten. Auf ihr wachsen Bäume, sie mit dieser Bodenbeschaffenheit zurechtkommen und an anderen Orten nicht wachsen. Ausserdem müssen sie mit einem gewissen Salzwassergehalt aus dem Boden umgehen können. Ein Baum, ich weiss leider den Namen nicht mehr, nimmt das ganze Salzwasser in sich auf und dann hat er an jedem Ast eine Blättergruppe. In ein Blatt dieser Blättergruppe schickt der Baum dann immer das überschüssige Salz. Das wird mit der Zeit immer gelber bis es dann abfällt. Das ist dann das Opferblatt, sagte unsere Inselführerin. Fand ich eine interessante Geschichte. Einer für alle…

Sonst gibt es hier noch von den riesigen Schmetterlingen zu berichten. Sie sind sehr schön und bunt und haben Flügel von der Grösse von vielleicht grossen Ohren oder so. Mir fällt keine gute Beschreibung ein.

Begegnungen
Was unsere Reise unglaublich bereichert sind die spanndenen Bekanntschaften, die wir machen. Jede Woche treffen wir im Gottesdienst interessante Leute, oft werden wir zum Mittagessen oder nach dem gemeinsamen Gemeindemittagessen in Familien eingeladen und lernen ihr zuhause und ihre manchmal sehr interessanten Ansichten kennen. Manchmal wwoofen wir auch. Das bedeutet wir dürfen bei einer Familie wohnen und essen und bekommen helfen ihnen als Gegenleistung mit dem Haushalt oder dem Garten. Eine herausragende Erfahrung war, als wir bei Benno und Sascha in Nambour an der Sunshinecoast, kurz über Brisbane gewohnt haben. Die beiden sind so nett und offen, dass wir uns so richtig wohl und zuhause gefühlt haben und direkt 3 Wochen geblieben sind. 🙂 Wir hoffen sehr, dass uns die beiden in Deutschland besuchen kommen!
Überhaupt lernt man so viel, wenn man neue Leute kennen lernt. An diesem Wochenende zum Beispiel durften wir auf dem Grundstück einer Familie mit 7 Kindern campen. Sie haben sich gestern Abend und heute Vormittag Zeit genommen, sich mit uns zu unterhalten, was unglaublich spannend war. Wo sonst hat man die Möglichkeit, aus erster Hand über „Homeschooling“ zu erfahren?! Die Mutter dieser 7 Kinder unterrichtet 4 von ihnen tatsächlich komplett selbst zuhause. In Australien ist das komplett legal und wird von der Regierung unterstützt, der Leistungsstand wird aber auch in 3 Fächern  überprüft: Mathe, Englisch und ein „Wahlfach“.
Wenn ich Zeit hätte, könnte ich noch so viel mehr erzählen…

Der Ausblick
Morgen werden wir mal wieder gen Westen aufbrechen, wir reisen mit gewissem Abstand zur Küste im Norden Richtung „Mitte“. Dann geht es relativ zügig durch die Wüste nach Süden über Alice Springs zum Uluru (Ayers Rock) und weiter nach Adelaide (an der Südküste) und von dort zurück östlich nach Melbourne. Und dann dauert es auch gar nicht mehr so lange, bis wir nach Hause kommen. 🙂

Seid ganz lieb gegrüsst!
Lisa und Marcus



In den Blue Mountains

7 05 2010

Direkt nach unserem Sydney-Aufenthalt haben wir uns auf den Weg in die Blue Mountains (Blaue Berge – weil sie immer von Eukalyptus-Nebel eingehüllt sind, der sie blau aussehen lässt) gemacht. Bereits in Deutschland habe ich in einem Reiseforum von „dem tollsten Backpacker Hostel“ in Australien gelesen, dem Flying Fox Backpacker Hostel. Dort wollten wir unsere erste Hostel-Erfahrung machen. Gar nicht mal so billig, so ein Hostel. 79 AUS $ für ein Doppelzimmer. Im Schlafsaal mit null Privatsphäre kommt man auch nicht viel billiger weg und diese Preise sind normal. Da fragt man sich, wo die Logik ist, wenn viele Backpacker sagen, dass sie nicht genug Geld für ein Auto haben, aber mehrere Monate in Hostels verbringen… Sagen wir mal 25$ pro Nacht pro Person für 30 Tage, das sind 750$! Und dann hat nur eine Person ein Dach über dem Kopf und ist nicht mobil… Naja. Darum haben wir also die Zeit dort genossen und Bekanntschaften geknüpft und haben uns nicht so sehr über die dreckige Küche und so geärgert, schliesslich war das Luxus. 😉 Und es war auch an sonsten wirklich recht gemütlich und nett gemacht. Viele Leute waren dort auch Dauergäste (mehere Wochen bis Monate, haben die sonst nix vor??) und kannten sich schon gut…

Und dann haben wir natürlich die Three Sisters (Drei Schwestern – Felsformation siehe unten), die Janolan Caves (Tropfsteinhöhlen) und das Edge, ein Kino, in dem seit 15 Jahren der gleiche Naturfilm gezeigt wird, besucht.

Am letzten Tag, der auch der einzige sonnige unseres Aufenthalts war, haben wir die Wanderung mit den Giant Stairways (gigantische Treppe) zum Fuss der Three Sisters und um sie herum gewagt. Normalerweise sind wir von den Australiern gewöhnt, dass sie immer etwas übertreiben. Alles ist das grösste, tollste, einzigartigste, giant, awsome, breathtaking… Diesmal waren die Treppen tatsächlich gigantisch, es wurde nicht zuviel versprochen! Selbst der Kölner Dom hat weniger Stufen,sie wollten hier einfach kein Ende nehmen. Irgendwann, als die Beine schon längst gezittert haben, kam man dann doch unten an – und wurde sich bewusst, dass man den ganzen Weg auch wieder hoch musste… Aber wir haben es geschafft. Und manchmal ist man wirklich erstaunt, was der Körper wegsteckt: Wir hatten kein bisschen Muskelkarter…

 Genug geschrieben, hier die Bilder:

  



„Wart ihr schon in Syd?“

28 03 2010

„Wart ihr schon in Syd?“ „Nee!“, mussten wir bisher immer sagen. (Das Copyright an diesem Gag liegt uebrigens bei meinem Cousin ;)) Jetzt haben wir uns die heimliche Hauptstadt Australiens aber endlich angeschaut, ziemlich genau zwei Wochen lang. Heute geht es weiter Richtung Westen, fuer drei Tage in die Blue Mountains, danach steht das Avondale College und Umgebung weiter im Norden auf dem Programm.

Aber zunaechst ein kleiner Rueckblick auf unsere letzten zwei Wochen sowie ein Einblick in das Panorama Sydneys:

 

In Sydney haben wir das erste mal gewwooft. WWOOF steht fuer „Willing Workers on Organic Farms“. Das Prinzip: Man arbeitet jeden Tag 4-6 Stunden und kann dafuer bei den Gastgebern kostenlos wohnen und essen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wie man in Sydney auf einem oekologischen Bauerhof arbeiten kann… Naja, wir waren bei einer Familie mit grossem, „natuerlichen“ Garten, das passt gerade noch ins WWOOF-Konzept. Meistens haben wir einen ganzen Tag gearbeitet und konnten dafuer auch einen ganzen Tag Sightseeing betreiben. Arbeiten hiess hier meistens Unkraut zupfen…acht Stunden am Stueck ist das schon eine Herausforderung. Aber ab und zu konnten wir auch Baenke und Tische streichen, Blumen pflanzen, Wege fegen, etc. – einen Tag hat Lisa auch gebuegelt. In einer knappen Stunde war man dann vom vorort aus mit dem Auto oder dem Bus in der Stadt oder am Strand. Guenstiger kann man Sydney wahrscheinlich nicht wohnen.

Was uns nicht so gut gefallen hat: Der bewusst natuerlich gehaltene Garten, der selbst nach Unkraut zupfen (zum Teil „ausreissen“) und Aufraeumen immer noch nicht schoen war, die nicht besonders hygienisch gehaltene Kueche und dass das Abendessen meist erst zwischen 19:00 und 21:00 Uhr auf den Tisch kam. Naja…wie gesagt, es war guenstig, wir durften hier alles benutzen (inkl. Kaffeemaschine und Internet) und wir werden auf jeden Fall noch eine zweite WWOOF-Station ausprobieren.

Zur Stadt: Sydney ist die groesste Stadt Australiens, gefolgt von Melbourne, wo wir uns nun schon eine Weile aufgehalten hatten. Doch in Sydney ist tatsaechlich alles noch groesser, noch schneller, noch hektischer, noch mehr Verkehr, etc. (Mit dem Auto kommt daher allerdings langsamer als in Melbourne vorwaerts…) Es gibt auch mehr touristische Attraktionen zu besichtigen, die wahrscheinlich bekanntesten koennt ihr ja auf den Fotos sehen. In der Stadt wimmelt es nur so vor Anzugtraegern, die gerade auf dem Weg zur Arbeit sind (mit Auto, Bus, per Pedes oder Taxi), von der Arbeit kommen oder in der Mittagspause etwas zu Essen suchen. Selbst zu Fuss kommt man langsam vorwaerts, weil man an jeder Ampelkreuzung mehrere Minuten warten muss – und nicht immer kann man ueber Rot gehen, wie es  viele Einheimische tun. Zweimal haben wir uns auch mit dem eigenen Auto in die Stadt gewagt…das ist eine spannende Angelegenheit und danach ist man reif fuer eine laengere Erholungsphase.

Sydney ist schon faszinierend, mit ihren ganzen Hochhaeusern, dem Hafen und vielen anderen schoenen Fleckchen. Eine kleine Hafenrundfahrt, wie sie einem von jedem Reisefuehrer empfolen wird, haben wir per Faehre natuerlich auch gemacht – wirklich sehr schoen! Ansonsten ist festzuhalten: Die Oper sieht von Weitem schoener und eindrucksvoller aus als aus der Naehe und die Harbour Bridge lohnt sich vor allem als Aussichtspunkt ueber den Hafen und die City.

So…gleich heisst es noch etwas „Garten verschoenern“, Auto packen und in die Blue Mountains aufbrechen. Aus Sydney gruessen wir natuerlich besonders: Markus in Herne – wir sind auf deine Kommentare gespannt 😉

Bis demnaechst,
Marcus

PS: Zum Thema Kirchen und Gemeinden, die wir an den beiden Wochenenden in Sydney besucht haben, schreiben wir bald noch ein paar Extrazeilen…



In der Hauptstadt

28 03 2010

Canberra (Betonung auf der ersten Silbe), die Hauptstadt Australiens, wird vom gemeinen Australier im Westentlichen belaechelt. „Da ist doch nix!“ „Sehr unspektakulaer… Braucht ihr eigentlich gar nicht hin!“ „Also wir bleiben hoestens 2 Tage da, wenn wir mal hinfahren.“ Der Grund: Die Stadt ist keine „natuerliche“ Hauptstadt, sondern wurde vor knapp 100 Jahren gegruendet, geplant und besiedelt um Hauptstadt zu sein, da man sich nicht auf Melbourne oder Sydney einigen konnte.

Und so sieht es da auch aus. 😉 Die Stadt ist auf dem Reissbrett entstanden, jeder Strassenverlauf ist geplant. Dementsprechend haben wir uns erst einmal gar nicht zurecht gefunden. Staendig verfahren, die Verkehrsfuehrung nicht verstanden… Sehr anstrengend! Und dann.. sieht man eigentlich nur Gruen und hin und wieder ein wichtig aussehendes Gebaeude, allerdings sehr vereinzelt. Ok, ich uebertreibe. Trotzdem ist die Stadt sehr ueberschaubar und wirkt recht laendlich mit ihren vielen Gruenflaechen und gerade einmal 340.800 Bewohnern (weniger als Bochum!). Bei einem Abenspaziergang war im Zentrum der Stadt im Viertel mit den Restaurants und Cafes um 10 Uhr alles verschlossen! „Schlimmer als in Herne!“ dachten wir uns…

Wir haben die Stadt aber dann doch schaetzen gelernt! Auf der Hitliste ganz oben stand natuerlich die National Library mit dem kostenlosen unbegrenzten Internetzugang, dicht gefolgt von den vielen staatlichen Einrichtungen wie Old Parliament House, Parliament House, Demokratie-Ausstellung, National Portrait Gallery, High Court, War Memorial uvm, die man kostenlos besichtigen konnte, teilweise mit kostenlosen Fuehrungen, auf jeden Fall immer mit sehr gutem Infomaterial und -personal ausgestattet. Herausragend spannend war der Besuch einer Sitzung des Repraesentantenhaus. Ich bin kein Politikexperte, aber ich wuerde es als aehnlich zum Bundestag beschreiben. Nur, dass es (wie fast alles in Australien) sehr viel lebhafter und informeller zuging. Wirklich sehr interessant! Der „Mr. Speaker“ (vielleicht aehnlich wie der Bundestagspraesident) musste immer zur „Order!“ aufrufen. Und einen, der einen ganz ungezogenen Kommentar gemacht hat, hat er rausgeschmissen. Der musste wirklich gehen. Das ganze erinnerte eher an eine Schulklasse am letzten Tag vor den Sommerferien. 😉 Insbesondere die Opposition schreit staendig irgendwelche Beleidigungen zur Regierungsseite herueber. Alle wild durcheinander und ganz laut. Auf der anderen Seite gibt es einige Formalia, die es so glaube ich bei uns gar nicht gibt. Beispielsweise muss sich jeder der Abgeordneten und der „Saalordner“ mit einem Kopfnicken vom „Mr. Speaker“ verabschieden, wenn er den Saal verlaesst.

Sonst ist noch nennenswert, dass wir die Heckscheibe unseres Pajero in einer Nacht eingetreten haben. Wir wissen nicht, wer von uns beiden es war, wir wissen auch nicht, wann oder wie es genau passiert ist. Ich fand nur am Morgen, dass die Scheibe so weich war, als ob sie nachgeben wuerde. Wir haben von Innen eine Folie gegen die Hitze angebracht, sodass Marcus dann irgendwann ausgestiegen ist, um zu sehen, dass die Scheibe noch drin war aber in 1000… Teilen. Natuerlich ist uns das Ganze in einer Nacht auf einen Feiertag passiert, sodass wir noch einen weiteren Tag damit herumfahren mussten. Da wir uns nicht getraut haben, darin noch einmal zu schlafen, haben wir uns wohl oder uebel ein billiges (fuer uns aber immer noch teures) Hotelzimmer geleistet. Naja. Jetzt ist alles wieder gut. Aufgrund dieser Umstaende und anderer Widrigkeiten sind wir alles in allem doch ueber eine Woche in der Stadt geblieben, die ja eigentlich nichts zu bieten hat. 😉

Wie meistens am Ende noch ein paar Impressionen… 

 

Lisa



Was wir an Australien lieben…

9 03 2010

1. Die oeffentlichen Toiletten. Das ist wirklich ganz anders als in Deutschland! Wohin man auch sieht oder geht, fast immer ist eine oeffentliche Toilette ausgeschildert. Immer kostenlos! Und meistens gut gepflegt. Das wuenschen wir uns auch fuer Deutschland, wo man oft nach einem Oertchen suchen muss, in Restaurants fragt, Geld bezahlt und man sich meistens fragt, wann hier das letzte mal geputzt wurde. Hut ab vor den Australiern…die Toiletten sind ein echter Service (und ab und zu gibt es dort sogar Duschen, sodass man als Backpacker hart verdientes Geld sparen kann, weil man nicht in ein Hostel oder auf einen Caravanpark muss, super ;)).

2. Ginger-Beer. Das kannten wir vorher nicht und zunaechst ist es auch etwas gewoehnungsbeduerftig. Inzwischen schmeckt uns die aklholfreie Alternative zum deutschen akloholfreien Bier aber ganz gut. Zu kaufen gibt es Ginger Beer in verschiedenen Variationen in allen Supermaerkten. Ab und zu ist es also eine leckere Alternative zum Leitungswasser :).

3. Das milde Wetter. Obwohl es hier mehr regnet als erwartet, ist das Wetter meist deutlich milder als in Deutschland. Das campen wird einem dadurch um einiges erleichtert. Das hilft zwar nicht weiter, wenn es regnet – aber nach spaetestens zwei bis drei Tagen trocknet alles „ratzfatz“. Denn wenn die Sonne einmal ungehindert auf die australische Erde scheint, wird es direkt warm bis heiss – und man muss neues Eis fuer den Esky (Camper-Kuehlschrank) kaufen.

4. Die Touristen-Informationen. In jedem Ort ab ca. 50 Einwohner gibt es eine Touristeninformation, in der man mit mehr Karten- und Prospektmaterial eingedeckt wird, als man in einer durchschnittlichen PKW-Seitentuer verstauen kann. Man muss nur den blauen Schildern am Ortseingang folgen und erfaehrt sehr schnell alles wichtige: Campingplatz, Schwimmbad, Duschen, Bibliothek, Supermarkt, Sehenswuerdigkeiten, Wanderwege, etc. Das erstspart das eine oder andere Dutzend an Kilometern, die man sonst mit „Suchen“ und „Rumfahren“ verbringen wuerde.

5. Die Natur. Wenn man eine australische Landkarte betrachtet, wimmelt es dort nur so vor Nationalparks. Zum Spazieren und Wandern gibt es also viele Moeglichkeiten. Ein paar Bilder haben wir ja schon veroeffentlicht. Dazu kommen die Berge (von den Einheimischen oft von selbst sehr selbstkritisch aber richtig als „Huegel“ bezeichnet), das Meer, Straende, Botanische Gaerten, Wiesen und Felder. Frische Luft ist also ausserhalb Melbourns oder Sydneys garantiert. Nur die Voegel, die sind manchmal morgens etwas laut. Aber ansonsten: Sehr erholsam (wenn es nicht gerade regnet).

6. Oeffentliche Bibliotheken. Wenn es etwas neues in unserem Blog zu lesen gibt, wisst ihr, dass wir eine oeffentliche Bibliothek gefunden haben. So eine Bibliothek gibt es in jeder mittelgrossen Stadt und sie ist stets kostenlos. Der einzige Haken ist, dass man oft nur eine oder eine halbe Stunde am PC sitzen darf (dann moechte naemlich jemand anderes diesen Service nutzen). Das hat zur Folge, dass wir bisher erst einmal im Internetcafe waren. (Ok, auch bei verschiedenen Privatpersonen haben wir schon den WWW-Anschluss genutzt, Danke an dieser Stelle!). Trotzem: Die Bibliotheken sind toll!

7. Woolworths. Woolworths (ja, mit „s“!) ist hier kein Kaufhaus, bzw. „Alles-Laden“, sondern ein Supermarks, den wir besonders gerne Besuchen. Er ist gross, hat neben Lebensmitteln auch anderen Haushaltsbedarf und wenn man die „Home Brand“-Produkte kauft, kann man eine Menge Geld sparen. Die sind naemlich mindestens genau so guenstig wie die australischen ALDI-produkte (ja, das haben wir untersucht;)). Ausserdem wird an der Kasse alles Eingekaufte in Plastiktueten verpackt, sodass man das nicht selbst machen muss. Es dauert dadurch zwar manchmal etwas laenger an der Kasse, aber dafuer bekommt man kostenlos ein paar Muelltueten mit. Das gefaellt uns. Als Bonus bekommt man dann noch Tankgutscheine, mit denen man bei einer bestimmten Tankenkette recht guenstig tanken (was sonst?) kann. Das nutzen wir natuerlich auch gerne. 4 (australisch) Cent Ersparnis pro Liter rechnen sich bei einem 120 Liter-Tank natuerlich recht schnell…

8. Die Kontaktfreudigkeit. Es sind zwar nicht ALLE Australier zuvorkommend und die Freundlichkeit in Person, doch insgesamt ist hier ein aufgeschlossenes Voelkchen anzutreffen. Gerade auf dem Land wird man freundlich begruesst und in einen smalltalk verwickelt, ob nun im General Store (der Name ist Programm), auf der Toilette oder beim Picknick im Park. Immer heisst es „Hey Mate, how’re you doing?“ …man ist schnell „per du“. Und auch wenn einem die Australier bei einer Frage nicht weiterhelfen koennen, geben sie sich Muehe, fragen jemanden anderen oder wuenschen zumindest „good on ya“.

So…jetzt wisst ihr hoffentlich etwas mehr ueber das australische Leben im Allgemeinen und unseren Alltag im Besonderen. Mal sehen, ob uns demnaechst noch mehr auffaellt.

Marcus